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Christian Krug (Crime-Herausgeber) und Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

Christian Krug (Crime-Herausgeber) und Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

 

NICHTS VERSTÖRT ...

... Hinterbliebene so sehr wie der Verlust eines geliebten Menschen durch Mord. Stirbt dieser Mensch durch eine Naturkatastrophe oder eine Krankheit, mögen sie mit dem Schicksal hadern, nehmen es aber oft irgendwann hin. Bei einer Gewalttat sträubt sich alles dagegen. Warum trifft es unsere Familie? Warum bringt der Täter solches Unheil über uns? Warum konnten wir es nicht verhindern? Diese Gedanken sind für die Betroffenen unerträglich. Die meisten finden keine Ruhe. Ehen, ganze Familien zerbrechen daran.
Viele Angehörige von Opfern quält auch die Ungewissheit, was ihre Liebsten erleiden mussten. Einige lähmt die Trauer – bei ­anderen setzt sie unglaubliche Kräfte frei. Maryon und Günter Vollrath, die Eltern in unserer Titelgeschichte, sprachen ihren Sohn Raven ein letztes Mal zwei Tage vor Weihnachten 2005, er suchte in Österreich Arbeit. Dann erreichten sie ihn nicht mehr. Bald waren sie sicher, dass ihm etwas zugestoßen sein musste. Doch die Polizei sah keinen Grund, nach dem 25-Jährigen zu suchen, und Menschen, die ihn zuletzt gesehen hatten, wollten nicht helfen. Es waren die Eltern, die die Arbeit der Polizei machten und ermit­telten, die Zeugen auftrieben, Beweise sicherten und gegen alle ­Widerstände ein Verbrechen aufdeckten. Die Vollraths sagen, sie seien es ihrem Sohn Raven schuldig, herauszufinden, was mit ihm geschehen ist. Deshalb kämpfen sie. Und die Frage, warum Raven sterben musste, bemächtigt sich noch immer ihrer Gedanken, ­jeden Tag. Sie werden weitermachen, bis sie eine Antwort haben.
Es heißt, die Zeit heilt alle Wunden. Doch die Wunden, die bei Eltern von Mordopfern gerissen werden, sind zu groß, um zu heilen. Wie bei den Vollraths. Wie bei den Eltern des 14-jährigen Breck Bednar oder beim Vater der 29-jährigen Sherri Rasmussen, zwei weiteren Fällen dieser Ausgabe. Bei diesen Menschen vergeht der Schmerz nicht, er wird zu einem manchmal lebenslangen Leiden.