Editorial Das neue Magazin!

Das neue Magazin!

Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

Was bleibt, wenn ein Mensch gegangen ist? Was ist sein Vermächtnis? Es sind nicht nur Dinge, die er hinterlässt, nicht nur Bilder oder Erinnerungen. Manchmal ist es auch ein unausgesprochener Auftrag. Bei den Angehörigen von Mordopfern, aber auch bei Ermittlern und Ermittlerinnen begegnet es uns häufig, dass sie dieses Vermächtnis weiterführen wollen. Sie wollen, dass die Geschichte einer Tat nicht in Vergessenheit gerät. Dass die Welt die Wahrheit erfährt. Oder dass ein Täter gefasst wird und ihm eine gerechte Strafe widerfährt. Manchmal geht es auch darum, das Opfer zu finden, um ihm eine letzte Ruhestätte zu geben.

In der Titelgeschichte dieser Ausgabe begegnen wir einer Frau, die vor Jahrzehnten schon ihre Tochter aus den Augen verloren hat, sich nun aber auf die Suche nach ihr macht, nachdem sie eine Nachricht bekommen hat. Die Suche wird ihre Mission, von der sie erst ablassen kann, wenn sie eine Antwort findet. Wir begegnen in diesem Heft auch einem jungen Mann, der glaubt, ein altes Unrecht wiedergutmachen, eine Art Erbschuld abtragen zu müssen. Und wir begegnen einem Staatsanwalt, der als Einziger das Vermächtnis einer Frau ernst nimmt, die letzten Worte, die sie noch sagen konnte, bevor sie starb. Diese Frau hat ein Verbrechen geschildert, das in seiner Bösartigkeit so unvorstellbar schien, dass keiner ihr glauben wollte. Der Staatsanwalt setzt alles daran, die Wahrheit zu beweisen, gegen alle Widerstände. Er hält den Spott der Kollegen aus und trotzt den Zweifeln der Richter und Polizisten. Er beißt sich in großer Akribie durch die Akten und beschreitet vollkommen neue Ermittlungswege. Der Mann gibt nicht auf.

Es ist ein ganz außergewöhnlicher Fall, aber in gewisser Weise ist er typisch. Denn egal, wie ein solches Vermächtnis aussehen mag: Die Menschen, die es annehmen, setzen meist sehr große Energie frei. Und ihre Geschichten sind beeindruckend