Editorial Das neue Magazin!

Christian Krug (Crime-Herausgeber) und Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

Christian Krug (Crime-Herausgeber) und Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

... um ein Menschenleben? Wie viel ist es wert? Wie reagiert man auf die Forderungen von Erpressern? Wie gewährleistet man die Sicherheit der Entführten? Als am 17. Mai 2010 das Handy des Sicherheitsoffiziers einer kleinen, niedersächsischen Reederei klingelt und er die ersten Sätze hört, muss er sich dieser unmenschlichen Aufgabe konkret stellen. Am Telefon ist ein Mann, der sich Ali nennt und aus Somalia kommt. Er und seine Komplizen haben 22 Seeleute in ihrer Gewalt. Wie viel sind euch die Männer wert?, fragt Ali den Sicherheitsoffizier.

An diesem Frühlingstag beginnt ein unvorstellbares, monate­langes Martyrium für die Crew der „Marida Marguerite“. Die zwei Männer verhandeln um das Leben von 22 Menschen. Sie tun das in schlechtem Englisch, am Handy, per SMS und übers Faxgerät. Beide Seiten riskieren viel. Beide machen Fehler.
Man möchte ihnen die Telefone aus der Hand reißen, dem Ganzen ein Ende bereiten, wenn man liest, wie sie sich belauern, belügen, tricksen, wie sie zulassen, dass die 22 Männer versehrt werden an Leib und Seele, für ihr Leben lang. Es sind hautnahe und erschütternde Einblicke in einen internationalen Krimi, den unsere Kollegen Karin und Dominik Stawski aus deutschen und amerikanischen Polizei- und Gerichtsakten, aus Telefonmitschnitten und aus Gesprächen mit Betroffenen rekonstruiert haben. Wenn Sie diese Dokumentation lesen, werden Sie sich vielleicht manchmal, so wie wir, in die Rolle des Sicherheitschefs hineinversetzen und sich fragen: Wie hätte  ich auf die nächste Forderung der Piraten reagiert? Und hätte ich es damit besser gemacht?