Editorial Das neue Magazin!

Das neue Magazin!

Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

 

Die Geschichte eines ...

...Verbrechens ist oft auch eine Geschichte über die Zeit, in der wir leben, ein Blick in die Seele der Gesellschaft, die uns prägt. Neid, Wut, Habgier, Eifersucht, Betrug, Missbrauch, Heimtücke, Vertuschung, Mordlust – schon in der Bibel kommen all diese Motive vor. Der Mensch an sich bleibt also gleich. Was sich verändert, sind die äußeren Umstände, wie eine Tat einzuordnen ist. 
Seit den ersten Ausgaben erzählt stern Crime auch von Verbrechen der Vergangenheit. Durch die Auswertung historischer Akten und manchmal dank der Möglichkeit, noch Zeugen zu befragen, können unsere Autorinnen und Autoren in die unterschiedlichsten Welten eintauchen und die Leser auf eine Zeitreise mitnehmen. Sie versuchen, die Fälle in ihren gesellschaftlichen Kontext einzubetten. Wie etwa in „Blutsturm“ (Heft 15). Das Amokpärchen machte den USA 1958 bewusst, wie schnell sich der amerikanische Traum in einen Albtraum verwandeln kann. Der Müllfahrer und das White-Trash-Mädchen dachten, die Gesellschaft schulde ihnen all das, was sie in Werbung und Popkultur versprach. Also nahmen sie es sich.
In diesem Heft beschäftigen wir uns mit einem Verbrechen, bei dem man nicht nur etwas über die sozialen und kulturellen Eruptionen jener Zeit lernen kann. Es ist ein Fall, dessen Narben bis heute nicht verheilt sind. Er handelt vom wiederaufgebauten Köln, von einem Kriegsheimkehrer, der sich ungerecht behandelt fühlte. Es war blanke Wut, die ihn zu einem Attentat von selten gekannter Brutalität trieb. Acht Kinder und zwei Lehrerinnen tötete er mit einem Flammenwerfer und einer Lanze, 20 weitere Menschen verletzte er schwer. Die traumatischen Erinnerungen lassen die Überlebenden nicht los. Barbara Peter ist eine von ihnen. Ihre Sicht beschrieb sie in einem Buch, in dem sie die Tat detailliert schildert, um so auch Fragen zu stellen, um so auch Antworten zu finden. Geschehnisse wie die des 11. Juni 1964 müssen erzählt werden. Denn gerade bei historischen Kriminalfällen gilt: Die Opfer haben es verdient, dass sie nie vergessen werden.