Editorial Das neue Magazin!

Das neue Magazin!

Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

Die Faszination ...

... des Bösen stellt uns Menschen vor Rätsel. Warum wollen wir wissen, was im Kopf eines Psychopathen abläuft? Wieso interessieren wir uns für Morde? Die Erklärungsansätze sind vielfältig. Eine (etwas schlichte) Deutung besagt, dass man sich selbst besser fühle, wenn man liest, wie viel übler das Leben anderen mitgespielt hat. Mehr in die Tiefe geht der Gedanke, dass wir alle das „Böse“ kennen, in uns und in anderen, und dass wir es ergründen wollen, um uns und unsere Welt besser zu begreifen. Andere vermuten, dass man sich seines moralischen Koordinatensystems versichere, indem man verfolgt, wie Verbrecher zur Strecke gebracht werden.
  Diese Ansätze haben gemeinsam, dass die Betrachtung aus der Distanz erfolgt. Wir wollen True-Crime-Geschichten lesen oder Serien sehen. Aber keiner möchte Teil der Story sein. Wir wollen Menschen nicht antun, was den Opfern angetan wurde, denn wir haben Mitgefühl. Und natürlich wollen wir nicht selbst zum Opfer werden.
 Es gibt aber Menschen, die das Böse nicht nur faszinierend, 
sondern regelrecht anziehend finden. Nicht weil sie selbst zum 
Täter werden wollen. Sondern weil Täter attraktiv für sie sind. Bei stern Crime begegnet uns immer wieder ein Phänomen, das uns und unsere Leser staunen lässt: Gerade besonders brutale Serienmörder können sich im Gefängnis kaum vor Fanpost von Frauen retten. 
Was nur treibt diese Frauen an? Unserem Autor Felix Schröder ist es gelungen, eine von ihnen zu sprechen. Diese Frau ist keineswegs gefühlskalt, sie steht dem Schicksal anderer nicht gleichgültig gegenüber. Sie ist intelligent, aber warum Mörder sie faszinieren, weiß auch sie sich nicht so genau zu erklären. Das Porträt der Deutschen Sabrina, die sich in einen Mörder aus einem amerikanischen Todestrakt verliebt hat, ist eine spannende Spurensuche, an deren Ende zumindest eines klar ist: dass auch diese Frau auf ihre eigene Art eine faszinierende Persönlichkeit ist.