Editorial Das neue Magazin!

Das neue Magazin!

Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

Angst …

…macht uns jedes Verbrechen. Aber einige erschüttern uns mehr als andere. Manche, weil sie so brutal sind, manche, weil das Opfer uns besonders schützens- oder liebenswert erscheint. Und bei manchen ist die Erklärung nicht ganz so einfach zu finden. 
  Für diese Ausgabe hat sich unsere Autorin Chantale Rau auf eine emotionale Spurensuche begeben. Sie recherchierte zum Fall des „Norddeutschen Pferderippers“, der Dutzende Hengste, Fohlen und Stuten nachts in Ställen und auf Weiden erstochen hat. Seine Opfer waren keine Menschen, sondern Tiere. Dennoch sorgte dieser Fall bundesweit für außergewöhnlich große Empörung und Besorgnis. Oder vielleicht genau deswegen?
  Warum berühren uns manche Taten besonders tief? 
  Unsere Autorin ging auch dieser Frage nach. Sie traf den Leiter der damaligen Sonderkommission, der sich bis heute schwer erklären kann, warum ausgerechnet ein Fall von Tierquälerei sein prominentester wurde. Sie sprach mit Züchtern, mit LKA-Beamten und wälzte psychologische Fachliteratur. Pferde haben für uns symbolische Bedeutung, ist darin zu lesen. Wir kennen sie als edle  Begleiter aus Märchen und Sagen, sie stehen für Stärke und Reinheit, sie gelten als treu und vertrauensvoll, als menschenfreundlich und friedlich. Womöglich haben diese Zuschreibungen Privatleute dazu bewegt, für Hinweise eine Belohnung auszusetzen, die mehr als 20-mal so hoch war wie die in einer zeitgleich laufenden Mordermittlung. Hinweise zu einem Delikt, das manche banal nennen würden im Vergleich zu anderen Taten, mit denen auch wir bei Crime uns vorrangig beschäftigen. 
Der Fall ist außergewöhnlich, aber vielleicht genau deshalb lehrreich. Er zeigt, dass ein Verbrechen für mehr als nur die jeweilige Einzeltat steht. Es ist eine symbolhafte Handlung, ein Angriff auf ein Gut, das uns kostbar ist. Auch deshalb machen Verbrechen Angst. Und deshalb wollen wir begreifen, wieso sie geschehen.