Editorial Das neue Magazin!

Das neue Magazin!

Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

Schwächen ...

… haben wir alle. Und Verbrecher sind ziemlich froh darüber. Denn menschliche Schwächen sind ihr Startkapital. Unstillbares Verlangen, blinde Gier, lähmende Ängste, Verbohrtheit, Unsicherheiten oder heimliche Sehnsüchte ermöglichen es ihnen, andere zu verführen, zu bedrohen, zu überrumpeln, zu erpressen oder abhängig zu machen. Wir alle können Opfer werden und sind verletzbar. Vielleicht berühren uns deshalb jene Geschichten ganz besonders, in denen Menschen ihre Verletzungen überwinden, um sich gegen den Aggressor zu stellen und sich zu wehren. Solche Geschichten können einen regelrecht euphorisch machen. Etwas ist dabei erstaunlich: Die Menschen in diesen Mutmachergeschichten wachsen nicht unbedingt über sich hinaus und werden zu unschlagbaren Helden. Sie gewinnen vielmehr, weil sie sich ihren Schwächen stellen, sie sich eingestehen und sie auch vor anderen nicht mehr verbergen. Denn genau das ist es, wovon Verbrecher häufig am meisten profitieren: dass ihre Opfer sich schämen. Dass sie verschweigen, was ihnen widerfahren ist, weil sie es nicht wagen, sich verletz- und fehlbar zu zeigen. So geht es auch den Teenagern in einer unserer Geschichten aus dieser Ausgabe. Die Mädchen, die von einem unbekannten Cyberstalker auf Social-Media-Kanälen terrorisiert werden, brauchen lange, bis sie den Mut aufbringen, anderen mitzuteilen, was ihnen zugestoßen ist. Doch erst dadurch merken sie, dass sie nicht allein sind mit ihrem Schicksal. Erst dadurch machen sie die erstaunliche Erfahrung, dass sie nicht so schwach sind, wie sie dachten. Auch nicht so ohnmächtig. Und dass der Mann, der sie quälte, keineswegs so mächtig ist, wie sie glaubten. Sondern um einiges schwächer als sie selbst. Lesen Sie diese inspirierende Geschichte auf Seite 20.