Editorial Das neue Magazin!

Das neue Magazin!

Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

 

Einer der ersten ...

… Fälle, von denen wir erzählt haben, in Heft 3, Oktober 2015, der seitdem weder unsere Leserinnen und Leser noch uns loslässt, ist der Mord an Frauke Liebs. Im Sommer 2006, während die Deutschen die WM feierten, verschwand die angehende Krankenschwester mitten im belebten Paderborn. Die damals 21-Jährige hatte in einem Pub Fußball geschaut. Auf dem Heimweg zu ihrer WG muss sie auf ihren Mörder getroffen 
sein. Mindestens eine Woche lebte Frauke noch. Mit dem Handy meldete sie sich mehrfach bei ihrer Familie und ihrem Mitbewohner. Die Lebenszeichen klangen verstörend. Monate später fand ein Jäger in einem ent-
legenen Wald ihren Leichnam.
Unserem Autor Dominik Stawski erzählte Fraukes Familie, wie sehr die offenen Fragen sie quälten. Wer war Fraukes Mörder? Wie starb sie? Und vor allem: Warum? Nach Stawskis Artikel erreichten die Polizei neue Hinweise, sie ermittelte, doch letztlich stand sie weiter ohne Verdächtigen da. Eines aber wurde klar: Will man das Verbrechen aufklären, dürfen Frauke und diese Fragen nicht in Vergessenheit geraten.
Stawski hielt Kontakt zu den Beteiligten. Vergangenes Jahr wuchs bei Fraukes Mutter das Verlangen, noch einmal alles zu versuchen, um den Mord aufzuklären. Eine höhere Belohnung wurde ausgelobt. Ingrid Liebs rief eine Website ins Leben (www.frauke-liebs.de). Und im Gespräch mit Stawski entstand die Idee, den Fall noch einmal in außergewöhnlicher Form in Erinnerung zu rufen. Aus diesem Grund produziert stern Crime derzeit einen Schwerpunkt, wie es ihn bisher nicht gab: Im November wird auf Vox und TV Now eine 90-minütige Dokumentation ausgestrahlt, begleitet von Artikeln in stern und stern Crime. Ein mehrteiliger Podcast soll folgen. Die Geschichte dieses ebenso traurigen wie rätselhaften Falls wird auf neue Weise in neuen Formen erzählt, auch in der Hoffnung, dass endlich jemand sein Schweigen bricht. Seit Monaten trifft sich Stawski mit den Beteiligten zu tagelangen Interviews. Während der Recherchen konnte Ingrid Liebs sogar durchsetzen, in die Ermittlungsakten schauen zu dürfen. Die Staatsanwaltschaft hat verstanden, dass darin auch eine Chance liegt, denn wohl niemand kennt die Zusammenhänge so gut wie Ingrid Liebs. „Dieses Projekt ist der letzte Versuch, das Geschehen aufzuklären“, sagt die Mutter. „Wenn es dieses Mal nicht gelingt, dann gebe ich auf. Dann muss ich mit den Fragezeichen irgendwie weiterleben.“
Wir hoffen, dass es anders kommen wird.