Editorial Das neue Magazin!

Das neue Magazin!

Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

Es ist eine Geschichte wie …

… aus einem bösen Märchenbuch: der schwarze Mann, das Urbild des unheimlichen Unbekannten, der in innerste, geschützte Bereiche eindringt. Der bei seinen Taten eine schwarze, lederne Motorradkluft trägt, dazu eine schwarze Gesichtsmaske, die nur Augen, Mund und Nasenlöcher erkennen lässt. Nachts holt er aus Schullandheimen, aber auch aus Wohnungen schlafende Kinder aus ihren Betten und nimmt sie mit. An mindestens 40 Jungen vergreift er sich, drei von ihnen bringt er um. Es ist die Geschichte von Martin N.
Als er 2011 vor Gericht steht, verdeckt er sein Gesicht vollständig mit einem roten, aufgeklappten Aktendeckel. Er will sich immer noch nicht zeigen, obwohl es nichts mehr zu verheimlichen gibt. Martin N. ist der schwarze Mann, der „Maskenmann“, nach dem fast 20 Jahre gefahndet wurde. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis heute sind seine Taten nicht vollständig aufgeklärt. Mehrfach haben stern und stern Crime über diesen Serientäter berichtet. Nun ist er der erste, dessen Fall wir auch filmisch erzählen. Von März an wird die dreiteilige Dokumentation „stern Crime – Der Maskenmann“ auf TV Now zu sehen sein, sie arbeitet die Hintergründe dieses Verbrechens detailliert auf. Der Fallanalytiker Alexander Horn und der damalige Soko-Leiter Martin Erftenbeck geben Einblicke in ihre Ermittlungen, erzählen, wie sie Martin N. in der finalen Vernehmung doch noch ein Geständnis abrangen. Opfer und deren Angehörige schildern, wie sie unter seinen Taten bis heute noch leiden. Die stern-Crime-Autoren Kerstin Herrnkind und Bernd Volland berichten von ihren jahrelangen Recherchen.
Zur Strategie des Profilers Horn gehörte das „Entmonstern“ des Maskenmannes: „Das prägende Bild vom Täter war eine Kinderzeichnung von einem Mann mit Maske. Uns war klar: Dieses Bild trifft nicht auf sein Leben zu.“ Horns Team kam zu dem Schluss, der Mann müsse freundlich und hilfsbereit, also sozial kompetent wirken, um Zugang zu den Kindern zu finden. Was sich später bestätigte: Martin N. war ein allseits beliebter Erzieher gewesen. „Das Monströse“, sagt Horn, „lag in seinen Taten, nicht in seiner Person.“