Editorial Das neue Magazin!

Christian Krug (Crime-Herausgeber) und Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

Christian Krug (Crime-Herausgeber) und Giuseppe Di Grazia (Crime-Redaktionsleiter)

DIE GESCHLECHTER …

… und ihr Kampf – das ist ein ewiges Thema. Auch in der Krimi­nalistik. Es geht dabei nicht nur um klassische Beziehungstaten, begangen aus enttäuschter Liebe oder Eifersucht. Es geht oft auch um die Rollen, welche die Gesellschaft den Geschlechtern vorgibt. Vor allem um das, was diese Rollenbilder mit Menschen machen. Sie können bei denen, die sich darin gefangen fühlen, das Verlangen schüren, auszubrechen. Es kann denen, die sich an starre Regeln klammern, Angst machen, wenn Rollen ins Wanken geraten. Und es kann bei denen, die sich als Sieger der Rollenverteilung fühlen, zu Hass führen, wenn ihre Position infrage gestellt wird.
Verlangen, Angst und Hass sind Triebfedern des Verbrechens. Darum ist der Kampf der Geschlechter bester Stoff für Krimis, wie Karin Slaughter unserem Kollegen Dirk van Versendaal erzählt hat. Sie hat selbst die Macht von Männern und teilweise auch deren Aggression erlebt. Legitimiert durch Rollen. Auch um das zu benennen, finden sich in ihren Büchern einige der explizitesten Gewaltschilderungen der zeitgenössischen Thrillerszene. Die Rollen aufzulösen kann uns überfordern. Wie die Protagonistin unserer Titelgeschichte, die sich von allen Ketten befreien will, wobei ihr Verlangen nach Freiheit einen gefährlichen Sog erzeugt. Rollen zu verteidigen kann Menschen mitleidlos machen. Wie im Fall des griechischen Serienmörders Papachronis, eines Frauenhassers, der in einer Zeit des Machismo trotz seiner brutalen Taten von manchen zum Volkshelden erkoren wurde. Zu welch irrsinnigen Auswüchsen starre Zuschreibungen führen können, zeigt auch unsere Fotostrecke aus Peru. Deren stille, ja stimmungsvolle Bilder erzählen
umso furchtbarere Geschichten von Menschen, die nur aus einem Grund sterben mussten: weil sie in keine Rolle passten.